Siegburg, 08. Mai 2020
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leserinnen und Leser dieses Rundbriefes #19,
 
Der 8. Mai stellt in der Geschichte ein wichtiges Datum dar: Heute vor 75 Jahren wurde der sog. Zweite Weltkrieg beendet; endlich ruhten die Waffen. Dieses Datum bedeutet zugleich die Befreiung von einer Diktatur, vom nationalsozialistischen Terrorsystem – allerdings keine Selbstbefreiung.

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Dies waren nun die Vorzeichen der Befreiung, die unsere eigenen Groß- oder Urgroßeltern erlebten, was also gar nicht weit zurückliegt und im Grunde in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sein müßte. Stellvertretend für das Gefühl, die Stimmung, mag der Satz gelten: „Nie wieder Krieg!“
Kennzeichen für diese Befreiung sollte eine grundlegende Erkenntnis sein, die Eingang fand in das am 23. Mai 1949 verkündete „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“, dessen erste 19 Artikel die Grund- und Menschenrechte bilden. Nicht zufällig lautet der erste Satz des Art. 1 GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Doch auch viele der folgenden Postulate wollen zum Ausdruck bringen, daß der Mensch als Subjekt in seinem einzigartigen Sosein zu respektieren ist – und eben nicht einer Masse, einer Mehrheit geopfert werden darf. Und weil die Mütter und Väter des Grundgesetzes sich offensichtlich dessen bewußt waren, wie gefährdet diese Grundrechte sind, wenn ideologische Rattenfänger oder perverse Machtbesessene die Massen erneut zu verführen versuchen und das sehr empfindliche freiheitlich demokratische Gemeinwesen angreifen, wurde klargestellt, daß diese Grundrechte unabänderlich sind („Ewigkeitsgarantie“).
Angesichts der jüngsten Ereignisse werden mich einige kritisch fragen, ob ich naiv oder blind oder dumm bin; oder ob ich womöglich versuche, mit schönen Märchen – ob das Grundgesetz ein gar schönes Märchen ist? – die dunkle Wirklichkeit der Gegenwart schönzureden. Mitnichten!
Doch vorab: Ich bin mir der „hinkenden Vergleiche“ durchaus bewußt und werde nicht den zum Scheitern verurteilten Versuch unternehmen, Parallelen zu ziehen zwischen dem 8. Mai 1945 und dem 8. Mai 2020. Schon mal deshalb nicht, weil 1945 das Ende einer Gewalt darstellte, indes es nicht an behördlichen Zeichen, Meinungen, Maßnahmen, Beschlüssen, Gesetzen, Gerichtsbeschlüssen usw. mangelt, die umgekehrt auf eine subtile, gar heimtückische Vernichtung von Grundrechten und Verankerung einer neuen Herrschaft hindeuten. Und sollte dies auch nur ein Produkt von überdrehten Verrückten sein, zu denen ich mich aktiv zähle, dann soll zumindest hervorgehoben werden, daß jeder demokratisch gesinnte Mensch die amtliche Vorgehensweise, insbesondere die offene Gewalt von Seiten der Exekutive, der Polizei, nur mit Argwohn beobachten muß. Doch an dieser Stelle stellt sich mir eine diesbezüglich andere Frage: Ist es denkbar, daß auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung es den Herrschenden gelingt, über verbreitete Angst, gesätes Mißtrauen, geschürte Panik die Menschen dafür zu mobilisieren, sich frei-willig einer diesmal planetaren Diktatur zu unterwerfen? Es versteht sich von selbst: Wir alle sind grundsätzlich die „Nutzniesser“ dieser Diktatur, so wird uns eingeredet.
 
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Gestatten Sie mir bitte hier einen Exkurs: In den 1980ern entbrannte auch hierzulande eine heiße Diskussion um AIDS und um den Schutz der Menschen vor HIV; da legte eine Gruppe von angeblichen Planern unterschiedlichen Bürgermeistern diverser Parteien, von kleinen und großen Orten, Pläne für Lager vor, in die HIV-Infizierte ausgesondert werden sollten – freilich mit staatlichen Zuschüssen der öffentlichen Hand. Diese Pläne waren die Grundrisse von NS-Konzentrationslagern. Die „Verhandlungen“ wurden mit Geheimkamera gefilmt. Nach meiner Erinnerung (leider kann ich dazu keinen Link finden und benennen!) gab es keinen Bürgermeister, der sich nicht grundsätzlich interessiert gezeigt hätte. Also in den 80ern bereits diesen unheimlichen Drang, das „Abnormale“ zu isolieren, hierfür sogar Konzentrationslager erneut zu errichten: nicht für Juden und Kommunisten und andere „mißliebige“ Menschen, sondern für Stigmatisierte.
Diese – wie ich finde dramatische – Anekdote betraf damals die HIV-Infizierten und könnte inzwischen auf Corona übertragen werden: eine schleichende Zweiteilung der Gesellschaft in „Gesicherte“ und in „Gefährliche“, in (dank Impfung???) „Gesunde“ und „Kranke“. Allerdings sehe ich zu damals einen wesentlichen Unterschied: Während HIV noch virologisch einzugrenzen war und ist, bleibe ich bei meiner Auffassung, wonach COVID19 eine maßlos übertriebene Angelegenheit ist, hinter der ganz andere „Dinge“ versteckt werden sollen: insbesondere auf der wahrlich verwerflichen Grundlage einer in Massenhysterie (siehe Maskenball!) mündenden Panik: Durch sie, dank ihr wird es möglich, gemäß der altbekannten und altbewährten Devise „Teile und herrsche!“ ein Volk zu spalten und endlich eine Diktatur zu verankern, getragen von einer wohlerzogenen, unterwürfigen, wohlgläubigen Masse; und ihr gegenüber die unbelehrbaren Widerspenstigen, welche zum einen (nicht ohne triftige Gründe und Argumente und Erkenntnisse) der vorgegaukelten „Pandemie“ widersprechen und zum anderen den unbedingten und bedingungslosen Respekt der Menschenrechte einfordern. Dieses Entweder-Oder läßt sich auch anders formulieren: Hier jene, die einen für alles zuständigen Vater-Staat fordern, als dessen gehorsame Kinder sie sich willfährig verstehen; dort jene, die sich als Subjekte fühlen und ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen und nicht von tendenziös-gekauften Virologen, Ärzten oder von angeblich offiziellen Behörden (hier dem RKI!) bevormundet, manipuliert, fremdbestimmt werden wollen.

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Mit diesen kritischen, bewußt polarisierenden Anmerkungen möchte ich auf einen Umstand hinweisen, der mich immer wieder erstaunt: Ist es nicht seltsam, daß die ganze Corona-Diskussion sich entlang einer Linie bewegt, die der französische Präsident Macron verdeutlichte, als er diesbezüglich von einem „Krieg“ sprach: Es gilt, das Böse, hier das „Killer-Virus“, zu bekämpfen, endgültig zu besiegen. Wieviele Menschen hierzulande und andernorts haben sich gedanklich auf diese Kriegsführung eingelassen: „das Gute“ gegen „das Böse“! Erst wer diese – ohnehin sinnlose! – kriegerische Logik ablehnt, wird auf einen grundlegend anderen Ansatz kommen, welcher die gesundheitliche Kompetenz des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dies bedingt zu allererst: die absolute Vermeidung aller individuellen, sozialen, kulturellen oder strukturellen Schwächungen der Gesundheit (mit Bedacht nenne ich hierfür keine Beispiele!) und die Stärkung seiner gesundheitlichen Immunität, sodaß die Gefahr, Opfer eines „Killer-Virus“ zu sein, reduziert werden. Ist es nicht merkwürdig, daß hierüber kaum gesprochen wird, indes die Diskussionen gelenkt werden auf die Impfung: Durch erneute symptomtherapeutische Maßnahmen soll das widersinnige – und m.E. widerwärtige – zivilisatorische System ja nicht infragegestellt werden... Und die abzusehenden Nebeneffekte und Gefahren solchen Irrsinns wird bewußt verschwiegen, verkannt, „schöngeredet“.
Was hat dies nun mit dem 8. Mai, dem Tag der Befreiung, zu tun?
Wenn wir die Zusammenhänge etwas tiefergründig betrachten als bei der gewohnten Oberflächlichkeit, stellt sich (mir?) eine komplexe Frage: Ist das eigentliche Fundament einer freiheitlich demokratischen Lebensform nicht der mündige Mensch, das Subjekt? Setzt das „demokratische Bewußtsein“ eines jeden hierzulande aufwachsenden Menschen nicht voraus, daß er von Anfang an das Vertrauen hegt, ihm werde so begegnet, daß seine Würde, seine Selbstbestimmtheit, seine Kompetenz, seine soziokulturellen und ökologischen Bedürfnisse und Fähigkeiten respektiert werden? Währenddem das NS-Regime über die Hitler-Jugend dafür sorgte, daß alle jungen Menschen vollkommen in das System integriert werden, und zwar über eine ideologische Wohlerzogenheit, war es – wie oben bereits angedeutet – das Ansinnen der jungen Republik, den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu respektieren. Allein dies ist mit Wohlerzogenheit unvereinbar! Und dies ist umso unmöglicher, als auch noch der Staat selbst vor allem über seinen obsoleten Schulanwesenheitszwang sich an den jungen Menschen versündigt: durch das Erlassen von verfassungswidrigen Normen und Gesetzen; durch die Schaffung und Unterhaltung von „Teilzeitgefängnissen“; durch eine Justiz, die zumeist ein System erhält und nur ganz selten das (vor allem junge!) Subjekt vor subtiler staatlicher Willkür oder Gewalt schützt; und, nicht zuletzt, durch das Kriminalisieren, Medikalisieren oder Psychiatrisieren von Menschen, die sich bei dieser Zwangsbehandlung unwohl fühlen und nicht umhin kommen, sich ihr so oder so zu widersetzen. Nun ist aber bekannt, daß Menschen Erlittenes gut und gern verdrängen und schönreden, weshalb viele der ehemals traumatisierten Schülerinnen und Schüler, nun Eltern geworden, ihren Töchtern oder Söhnen diese Zwangsbehandlung „angedeihen“ lassen. Vor dem Hintergrund dieser „strukturellen Wohlerzogenheit“ verwundert es dann nicht, auf den Straßen so unzählige brav maskierte junge Menschen zu sehen. Wer sind unter solchen Umständen die Menschen, die sich wirklich und wirksam für unsere freiheitlich demokratischen Werte einsetzen werden?

Ich darf den Punkt umdrehen: Wer unter uns die Lehren aus dem 8. Mai 1945 ziehen möchte, sollte darüber nachdenken, mit welchen Mitteln es gelingen kann, aus den „Normen der Normalität“ auszubrechen, was bedingen kann, auch dort gegen unsinnige und überholte behördliche Maßnahmen einen Widerstand zu gestalten: insbesondere da, wo es um unsere hoffentlich geliebten Töchter und Söhne geht, die nicht auf dem Altar des Systems geopfert werden sollen.
Und dies bringt mich nun zu einem letzten Punkt, der in manchen Ohren (oder Augen) etwas gewagt oder gar abenteuerlich klingen mag. Ich bin nämlich davon überzeugt, daß die gegenwärtigen Ereignisse das Ende einer Ära bedeuten: schlicht und einfach deshalb, weil der Weg, der in den letzten Jahrzehnten eingeschlagen wurde, eine Sackgasse ist und uns dermaßen in die Katastrophe führt, daß es alsbald kein Leben auf dieser Planetin geben würde. Ich werde wahrscheinlich jene Zeit nicht mehr erleben, in der auf unsere Gegenwart zurückgeblickt werden wird, doch bin ich zuversichtlich, daß unser Hier-und-Jetzt betrachtet wird als letzte Zuckungen eines auf Gewalt gegen sich, gegen andere, gegen das Leben, gegen die Natur beruhenden zivilisatorischen Systems. Bedingt dieses Abschütteln allerdings nicht, daß Menschen sich massenhaft ihrer eigenen weiteren Schwächung widersetzen, die beispielsweise Bestandteil der programmierten und propagierten Impfungen ist?
Der 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung: Und der 8. Mai 2020?
Wie immer sind mir Ihre kritischen Stellungnahmen zu meinen Ausführungen sehr willkommen: Ich freue mich auf den konstruktiven Dialog mit Ihnen. In diesem Sinne sendet Ihnen – mit Dank für die bis hierher geschenkte Aufmerksamkeit zu meiner Reflektion – die besten Wünsche

Ihr Sie herzlich grüßender
Bertrand Stern
 
Seit dem letzten Rundbrief #18, am 6. August 2019, ist selbstverständlich viel geschehen, wovon ich hier nur ein paar wenige Aspekte hervorheben möchte.

In der Publikation „rubikon“ erschien am 23. Mai 2019 (dem 70. Geburtstag unseres Grundgesetzes!) mein Beitrag zur Würde des Menschen – nachzulesen über diesen Link.

Am 24. März 2020 wurde mein Beitrag „Am Scheideweg“ publiziert, der hier nachzulesen ist.

Ein weiterer Beitrag zur Frage der Kinderrechte in unsere Verfassung sollte demnächst daselbst publiziert werden.

Für Freunde der Videobeiträge möchte ich auf folgendes hinweisen:
An Ostersonntag wurde ein Gespräch mit Ken Jebsen veröffentlicht: unter dem Titel: “Saat der Freiheit: Impulse für aufblühende Bildungslandschaften”. Es steht hier zur Verfügung.

Ein etwa 50-Minuten-Video-Gespräch mit Jens Lehrich „Vertrauen ins Leben“ kann beim Rubikon oder bei youtube abgerufen werden.

Schließlich möchte ich auf ein 45-Minuten-Videogespräch hinweisen, das ich kürzlich für eine Gruppe von „häuslichen Beschulern“ gegeben habe, hierbei meine diesbezüglich klare Position hervorhebend. Das Gespräch ist hier zu hören.
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Noch zwei Anmerkungen: Da derzeit Kino-Aufführungen (noch) nicht möglich sind, möchte ich ausdrücklich auf die Möglichkeit hinweisen, den – vor einem Jahr erstmals präsentierten – Spielfilm „CaRabA #LebenohneSchule“ nicht nur als Kinoaufführung und nicht nur als DVD zu sehen, sondern auch als „stream“. Näheres dazu hier.

Leider kommen Mütter und Väter, die ihren Nachwuchs vor der behördlichen Übergriffigkeit „schützen“ wollen, immer noch nicht umhin, sich einer klugen Strategie der Abwehr zu bedienen. Sich diesen Belangen zu widmen, ist Ziel und Inhalt des Werkstattgesprächs, das Franziska Klinkigt und ich in Gießen am Samstag, den 6. Juni anbieten. Näheres entnehmen Sie bitte dieser Information

Und da ich Franziska Klinkigt erwähne, darf ich Ihnen ihren grundlegenden Beitrag in der letzten Ausgabe des unerzogen Magazins empfehlen.

Sowie einen Beitrag auf ihrem Blog der auch eine Umfrage zur Frage des „schulischen Shut downs“ enthält.
 
Weiterführende Internetseiten:
                              www.bertrandstern.de                             www.bertrandstern-stiftung.de

                              www.frei-sich-bilden.de                           www.caraba.de     

                              Rundbrief-Archiv                                     YouTube-Kanal                                        
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Herausgeber dieses Rundbriefs und inhaltlich verantwortlich:

Bertrand Stern
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e-Mail: bs@bertrandstern.de


Bilder: Privat und Pixabay.

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